Liebe Brautpaare,
mit dieser Reihe möchte ich euch einen Einblick hinter die Kulissen und in die Welt eines Hochzeitsfotografen geben.

In diesem Teil möchte ich zunächst über die wichtigste Grundlage eines Fotografen sprechen – die Empathie. Warum das so wichtig ist und wieso ich in diesem Beitrag nicht über fotografische Herangehensweisen rede, wie Komposition, Licht und Kameraeinstellung, erfahrt ihr genau hier.

Die Empathie eines Hochzeitsfotografen

Für euch angehende Brautpaare ist die emphatische Komponente eines Fotografen nur sehr schwer herauszufinden. Viele Brautpaare machen sich darüber wohlmöglich keine Gedanken, denn die Bilder auf der Homepage sehen ja toll aus und nur darum geht’s, oder? Selbstverständlich bucht ihr einen Fotografen für wunderschöne Bilder, aber genau so wichtig ist die Harmonie zwischen dem Fotografen und dem Brautpaar sowie den Gästen. Stellt euch vor euer Fotograf fordert eure Gäste permanent dazu auf zu lächeln und bestimmte Posen einzunehmen: Die Bilder sind möglicherweise schön, aber die Harmonie wurde durch diesen Eingriff massiv gestört. Es wäre einfach zu schade, wenn die Gesellschaft sich über einen zu aufdringlichen Fotografen aufregt, anstatt sich über eure tolle Hochzeit zu freuen.

Harmonie der Hochzeit

Und genau darum geht es mir in diesem Beitrag. Als Hochzeitsfotograf ist es meine höchste Priorität die Harmonie niemals zu stören und nur in Situation einzugreifen, wenn es wirklich nötig ist. Daher versuche ich die Aufmerksamkeit nicht auf mich zu ziehen, sondern fotografiere aus einer gewissen Distanz, ohne dabei das Brautpaar und die Gäste aus den Augen zu verlieren. Denn wenn sich Menschen in ihrer Privatsphäre gestört fühlen, sobald die Kamera in Sicht ist, kann man auch keine authentischen Momente einfangen. Wenn es aber darauf ankommt ganz nah am Geschehen zu sein, wie z.B. beim Ringtausch, dann ergreife ich selbstverständlich die Initiative und scheue mich nicht davor für einen kurzen Moment auch wahrgenommen zu werden.

Trauringe eines Brautpaares auf seidenem Tuch

Der Hochzeitsfotograf als Teil der Hochzeitsgesellschaft

Ein Fotograf muss sich in die Situation des Brautpaares sowie der Gäste hineinversetzen können. Daher gehe ich immer davon aus, dass der Moment für einen kurzen Augenblick leicht gestört wird, sobald ich in einen Raum oder in ein Geschehen erstmalig eintrete – Nicht weil ich einfach hineinplatze und unhöflich mein Ding durchziehe, sondern weil mich die meisten Menschen zum ersten Mal sehen und es eine ganz natürliche Reaktion ist diese Person zu mustern. Daher ist es mir besonders wichtig so schnell wie möglich von der Gesellschaft aufgenommen zu werden, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Denn je schneller die Gesellschaft mich akzeptiert, desto eher ist die Harmonie wieder hergestellt und die Hochzeit kann ihren freien Lauf nehmen. Meine Herangehensweise mich als Teil der Hochzeitsgesellschaft aufnehmen zu lassen, hängt jedoch stark von der Kultur der Gesellschaft ab: Wo ein kleiner Witz das Eis brechen kann, kann dieselbe Situation in einer anderen Gesellschaft zu hohen Mauern führen. Sobald dies passiert und der Fotograf nicht aufgenommen wird, wird es auch sehr schwer tolle Bilder abzuliefern.

Kulturen verstehen

Meine Philosophie ist es Kulturen zu verstehen und das Eis zu brechen, jedoch nicht, wenn es kein Eis gibt. Meine bisherigen Erfahrungen in der Hochzeitsfotografie ermöglichten mir schon sehr viele unterschiedliche Gesellschaften kennenzulernen. Es gab Gesellschaften, in denen ich sofort als Kumpel aufgenommen wurde, aber auch Gesellschaften, die zunächst scheu waren und sich unwohl gefühlt haben, wenn sie fotografiert wurden. Grundsätzlich versuche ich eine lockere Atmosphäre zu schaffen, indem ich mich zwischendurch auch kurz mit der Gesellschaft unterhalte, wenn die Situation dies zulässt. Wie bereits erwähnt, kann der eine oder andere Witz die Situation lockern, aber auch falsch vom Gegenüber verstanden werden. Daher gibt es keine pauschale Anleitung wie man auf Hochzeiten vorzugehen hat. Das allerwichtigste ist jedoch, dass ihr euch für einen Fotografen entscheidet, der Mitgefühl zeigt und auf eure Wünsche eingeht, aber zeitgleich die Situation immer unter Kontrolle hat.

Brautpaar geht gemeinsam eine Treppe herunter und schaut sich in die Augen

Die Kontrolle bewahren

Für einen Hochzeitsfotografen verläuft eure Hochzeit niemals nach Plan. Daher ist es besonders wichtig die Ruhe zu bewahren und die Kontrolle in gewissen Situationen nicht aus der Hand zu geben. Es ist schon durchaus vorgekommen, dass das Brautpaar keine große Lust auf das Brautpaarshooting hatte und viel lieber bei den Gästen wäre. Das kann ich zwar sehr gut nachvollziehen, aber stellt euch vor das Brautpaar erhält die Hochzeitsbilder ca. 6 Wochen später und es gibt keine schönen Bilder vom Shooting? Das wäre ein fataler Fehler des Fotografen – und noch viel schlimmer wäre es die Schuld dann auf das Brautpaar zu schieben. Daher ist es mir besonders wichtig die Kontrolle in den entscheidenden Momenten zu bewahren, ohne aufdringlich zu sein. Natürlich kann und will ich das Brautpaar nicht zu einem Shooting zwingen, aber andererseits habe ich von dem Brautpaar den Auftrag bekommen tolle Fotos abzuliefern. Und 6 Wochen nach der Hochzeit ist die Situation der akuten Unlust auf das Shooting meist schon in Vergessenheit geraten und man fokussiert sich nur auf das Ergebnis: keine schönen Bilder vom Brautpaarshooting in den Händen. Meine bisherige Laufbahn als Hochzeitsfotograf hat mich daher gelehrt wie ich mich in solchen Situationen professionell verhalten soll, um das beidseitige Interesse immer zu bewahren.

Fazit

Zusammengefasst möchte ich euch nochmal darstellen, welche Eigenschaften eine große Priorität in meiner fotografischen Begleitung auf Hochzeiten aufweisen.

  • In die Situation des Brautpaares und der Gäste versetzen können
  • Die Harmonie der Hochzeit immer bewahren
  • Kultur der Hochzeitsgesellschaft verstehen
  • Das erfolgreiche Einbringen in die Hochzeitsgesellschaft
  • Diskretion und niemals im Mittelpunkt stehen
  • Professionelles Auftreten und immer die Kontrolle bewahren

Die Empathie des Fotografen sowie das Bewahren der Harmonie ist die wichtigste Grundlage für schöne Bilder. In den nächsten Teilen der Beitragsreihen „Mein fotografisches Vorgehen auf Hochzeiten“ gehe auf die verschiedenen Phasen einer Hochzeiten ein und wie sich mein fotografisches Vorgehen mit diesen Phasen verändert.

Falls ihr noch Fragen zu dem Beitrag oder zu meinem Vorgehen habt, könnt ihr gerne das Kontaktformular nutzen oder eine Frage in den Kommentaren platzieren. Schaut doch gerne auch auf meinen Beitrag „Was kostet ein Hochzeitsfotograf?„.